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100 Jahre Reichsarchiv - Rückblick auf die Fachkonferenz des Bundesarchivs

Die mit einem Festvortrag von Jörn Leonhard eröffnete Tagung im Deutschen Historischen Museum in Berlin stieß auf großes Publikumsinteresse.

31.10.2019

Öffentlichkeitsarbeit

Zum 1. Oktober 1919 wurde das Reichsarchiv als zivile zentrale Behörde unter der Leitung des Präsidenten Hermann Ritter Mertz von Quirnheim eingerichtet. Hervorgegangen aus den mit der Verwaltung der Kriegsakten betrauten Abteilungen des Generalstabs entwickelte es sich - gemäß den Vorgaben des Versailler Friedensvertrags - rasch zum "wirklichen" Reichsarchiv mit Zuständigkeit auch für die Übernahme von Unterlagen der zivilen Reichsressorts seit 1867. Das Bundesarchiv, das 1952 seine Arbeit aufnahm, knüpfte in mehrfacher Hinsicht an die Tradition des Reichsarchivs an und verwahrt seit der Wiedervereinigung 1990 sämtliche ehemaligen Bestände des Reichsarchivs, soweit sie nicht im Zweiten Weltkrieg zerstört oder ins Ausland verbracht wurden.

Das einhundertjährige Jubiläum der Gründung war für das Bundesarchiv der Anlass, auf einer Fachkonferenz die Entwicklung des Reichsarchivs, seiner Nachfolgeinstitutionen und anderer zentraler Archive mit Bezug zur deutschen Geschichte in den Blick zu nehmen und nach der Bedeutung der Archive für die Gesellschaft damals und heute zu fragen.

Festvortrag

Eröffnet wurde die Konferenz am Abend des 22. Oktober 2019 mit einem Grußwort der Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters und einem Festvortrag des renommierten Historikers Prof. Dr. Jörn Leonhard unter dem Titel "Geschichtskämpfe: Die Auseinandersetzung um die Kriegsschuld und die Gründung des Reichsarchivs nach dem Ersten Weltkrieg". Gut 300 Personen waren der Einladung in den Zeughaushof, den eindrucksvollen Innenhof des Deutschen Historischen Museums, gefolgt und nutzten die Gelegenheit zum Austausch beim anschließenden Empfang.

Fachkonferenz

Am 23. Oktober 2019 kamen gut 150 Interessierte im Zeughauskino zusammen. In drei Sektionen und einer abschließenden Podiumsdiskussion gingen die Vortragenden insbesondere auf die Entwicklung und das Selbstverständnis des Reichsarchivs, des Zentralen Staatsarchivs der DDR und des Bundesarchivs ein (Michael Hollmann, Simone Walther-von Jena, Andrea Hänger). Markus Pöhlmann nahm die Rolle des Militärs in der Geschichte des Reichsarchivs, Sven Kriese die Beziehungen zwischen Reichsarchiv, Preußischer Archivverwaltung und Preußischem Geheimen Staatsarchiv in den Blick. Wladimir Tarassow führte vor Augen, welche kriegsbedingt verlagerten Bestände des Reichsarchivs in dem von ihm geleiteten Russischen Staatlichen Militärarchiv (RGVA) aufbewahrt werden, während Peter Ulrich Weiß die NS-Belastungen von Mitarbeitern der zentralen Archive in Ost und West nach 1945 konstatierte und einordnete.

In der von Martin Sabrow geleiteten abschließenden Podiumsdiskussion gingen Markus Friedrich, Philipp Gassert, Klaus-Dietmar Henke und Wladimir Tarassow vor allem folgenden Themenkomplexen nach: Brüche und Kontinuitäten in Bezug auf die Rolle der zentralen deutschen Archive, die Position staatlicher Archive im politischen Raum und die Frage der Beeinflussung von Archiven durch politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die Fragilität von Quellen im digitalen Zeitalter und das Transparenzversprechen heutiger staatlicher Archive.

Publikation der Beiträge

Grußwort und Festvortrag sowie alle auf der Konferenz gehaltenen Vorträge und eine Zusammenfassung der Podiumsdiskussion werden im Jahresband 2019 der Fachzeitschrift "Forum" des Bundesarchivs veröffentlicht werden. Das Heft soll in gedruckter und digitaler Form spätestens im Januar 2020 erscheinen.

Ein großer Dank des Bundesarchivs geht an das Deutsche Historische Museum, in dessen Räumlichkeiten die Tagung stattfinden konnte, nachdem die Umbaumaßnahmen auf der Liegenschaft des Bundesarchivs in Berlin-Lichterfelde nicht rechtzeitig abgeschlossen werden konnten.